Super 8 - Eine kleine Einführung

Das Super-8-Filmformat wurde in den 1960er-Jahren als komfortables Schmalfilm-System für den privaten Gebrauch eingeführt und entwickelte sich rasch zum Standard für das Heimkino auf Film. Neben Urlaubs- und Amateuraufnahmen entstand bald ein umfangreicher Markt für Spielfilmauswertungen, die bekannte Kino- und Fernsehproduktionen ins Wohnzimmer brachten. Da eine vollständige Kinolänge auf Super 8 nur mit hohem Material- und Kostenaufwand möglich war, erschienen die meisten Spielfilme nicht ungekürzt, sondern in komprimierten Schnittfassungen.

Diese bestanden meist aus einer oder mehreren 120-Meter-Rollen und konzentrierten sich auf die zentralen Handlungspunkte. Umfang, Dramaturgie und Auswahl der Szenen unterschieden sich dabei deutlich je nach Anbieter.
Mit dem Boom der Projektoren und der zunehmenden Verbreitung von Farbfilm wuchs auch die Nachfrage nach professionell geschnittenen Spielfilmen. Diese erschienen meist als Kurzfassungen (z. B. 60, 120 oder 180 Meter), später auch als abendfüllende Mehrrollen-Editionen. Besonders gefragt waren Abenteuer-, Horror-, Western- und Familienfilme, aber auch Komödien und ausgewählte Klassiker. Die Qualität variierte: von stark gekürzten Inhaltszusammenfassungen bis hin zu erstaunlich kohärenten Fassungen mit Titeln, Zwischentexten und eigens erstellten deutschen Vorspännen.

Das FlimmerKino beschäftigt sich vorrangig mit den Schnittfassungen der drei bekanntesten deutschen Super 8 Hersteller.

Piccolo Film

Piccolo Film gehörte zu den bekanntesten Namen im deutschen Super-8-Spielfilmbereich. Das Unternehmen machte sich vor allem mit Klassikern wie "Der weiße Hai", Komödien, Action- und Horrorfilmen einen Namen. Viele Veröffentlichungen zeichneten sich durch eine hohe Kopienzahl und damit gute Verfügbarkeit aus. Piccolo setzte auf einheitlich attraktive Covergestaltung und klare Kennzeichnung der Laufzeiten, was Sammlern die Auswahl erleichterte. Besonders beliebt waren Abenteuer- und Horrorstoffe, oft in prägnanten Kurzfassungen, die den Kern der Handlung auf den Punkt brachten.

Vereinzelt mit dabei waren:

  • CinemaScope-Fassungen, die das originale Breitbildformat für Heimprojektoren nutzbar machten
  • 3-D-Anaglyphen-Ausgaben, bei denen der räumliche Effekt mithilfe von Farbbrillen erzeugt wurde
  • verschiedene Tonvarianten (Magnetton, vereinzelt auch Lichtton)

Inhaltlich handelte es sich meist um stark verdichtete Versionen, die auf wenige Rollen reduziert waren. Auffällig ist, dass Piccolo in Deutschland teilweise Schnittfassungen von Filmen vertrieb, die in anderen Ländern als deutlich längere oder nahezu vollständige Super-8-Versionen existierten. Dadurch wurden dieselben Titel international sehr unterschiedlich wahrgenommen.

Marketing Film

Marketing Film positionierte sich stärker im populären Segment. Action-, Komödien-, Horror- und Science-Fiction-Titel dominierten das Angebot, häufig angelehnt an internationale Kinoerfolge. Das Unternehmen setzte bewusst auf meist blaue Papp-Cover, blaue Schrifttafeln am Beginn des Films statt der Originalbetitelung, sowie auf eine sehr gute Qualität der Filmkopien. Für viele Heimkinofans waren Marketing-Film-Veröffentlichungen ein Einstieg in das Sammelhobby, da sie Spannung und Schauwerte in kompakter Form boten.
Marketing Film war einer der bekanntesten Anbieter von Spielfilmen auf Super 8 und ist vor allem durch sein einheitliches Erscheinungsbild und die meist überdurchschnittliche Kopienqualität in Erinnerung geblieben. Inhaltlich lag der Schwerpunkt klar auf dramaturgisch gestrafften Kurz- und Mittelfassungen.

Charakteristisch für Marketing Film:

  • überwiegend Zweiteiler und Dreiteiler
  • eine sehr gute Kopierqualität
  • stark handlungsorientierte Montagen, die Nebenhandlungen konsequent ausblendeten
  • nur sehr selten besonders umfangreiche Veröffentlichungen

Die Filme wirkten häufig wie eine Art „Best-of“-Zusammenfassung der Kinohandlung. Besonders populäre Titel wurden so auf eine Länge gebracht, die für das Heimkino praktikabel und bezahlbar blieb. Nahezu vollständige Spielfilmfassungen stellten bei Marketing Film eher die Ausnahme dar.

UFA Büscher Film

UFA Büscher nahm eine Sonderstellung ein, da hier der große Name UFA mit dem Heimfilmsektor verbunden wurde. Das Programm umfasste sowohl einige deutsche Produktionen als auch international bekannte Stoffe. Im Fokus standen solide geschnittene Fassungen, die Wert auf Erzählfluss legten. UFA Büscher profitierte vom Renommee der Marke und erreichte damit auch ein Publikum, das über den reinen Sammlerkreis hinausging. Verpackung und Beschriftung waren meist ebenfalls einheitlich (die Designs änderten sich im Laufe der Jahre) und professionell – ein Spiegel der massentauglichen Programmausrichtung.
Unter dem Namen UFA Büscher Film (bzw. im Umfeld von UFA/ATB) erschienen Super-8-Veröffentlichungen mit einer zum Teil deutlich größeren Bandbreite an Laufzeiten. Das Programm reichte von klassischen Einrollen-Kurzfassungen bis hin zu außergewöhnlich langen Mehrrollen-Editionen.

Typische Merkmale:

  • häufig längere Fassungen als bei vielen Mitbewerbern
  • Spielfilme mit drei, vier oder mehr Rollen
  • in Einzelfällen extrem umfangreiche Veröffentlichungen, die dem Originalfilm sehr nahe kamen

Trotzdem handelte es sich auch hier nicht immer um vollständig ungekürzte Fassungen. Selbst bei langen Ausgaben wurden Kürzungen vorgenommen, um Materialkosten und Projektionsaufwand in einem vertretbaren Rahmen zu halten.

Unterschiede der Anbieter

Die Spielfilmveröffentlichungen dieser drei Firmen prägten maßgeblich das Bild des Super-8-Heimkinos in Deutschland. Sie machten es möglich, Kinoinhalte unabhängig von Sendezeiten und Programmkinos zu erleben – ein entscheidender Schritt hin zur heutigen On-Demand-Kultur. Mit dem Aufkommen von VHS und später DVD verlor Super 8 zwar an Marktbedeutung, doch als Sammler- und Liebhaberformat lebt es bis heute weiter. Die Veröffentlichungen von Piccolo Film, UFA Büscher und Marketing Film gelten inzwischen als kulturhistorische Zeugnisse einer Zeit, in der Film noch mechanisch ratterte, roch und leuchtete – und das Wohnzimmer für einen Abend zum Kinosaal wurde.

  • Marketing Film setzte klar auf kompakte, stark verdichtete Schnittfassungen mit Fokus auf Tempo und Kernhandlung.
  • Piccolo Film kombinierte Schnittfassungen mit technischen Besonderheiten wie Scope-Bildformaten oder 3-D-Effekten.
  • UFA Büscher Film bot im Vergleich oft längere und aufwendigere Spielfilmfassungen an, einschließlich sehr umfangreicher Mehrroller.

Gemeinsam ist allen drei Firmen, dass sie den Kinofilm nicht einfach verkürzten, sondern ihn gezielt für das Heimkino neu strukturierten – ein Umstand, der Super-8-Schnittfassungen heute zu eigenständigen, sammelwürdigen Zeitdokumenten macht.

Mehr Infos zu Super-8-Spielfilmen, national und international, gibt es auch auf Super 8 Rezensionen.